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Wiener Kaffeehaus
Das Wiener Kaffeehaus (Betonung auf
der 2. Silbe "fee") ist eine typische Wiener Institution,
die bis heute ein wichtiges Stück Wiener Tradition bildet.
Der Schriftsteller Peter Altenberg charakterisiert
das Kaffeehaus als "nicht zu Hause und doch nicht
an der frischen Luft".

Abb.: Das Kaffeehaus:
Myrbach, Felician von (1853 - 1940):
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| Das Wiener Kaffeehaus (Betonung auf der 2. Silbe "fee") ist
eine typische Wiener Institution, die bis heute ein wichtiges Stück
Wiener Tradition bildet. Der Schriftsteller Peter Altenberg charakterisiert
das Kaffeehaus als "nicht zu Hause und doch nicht an der frischen
Luft". |
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| Eigenart
Anders als in normalen Cafes ist es im Wiener Kaffeehaus durchaus
üblich, dass ein Gast, der nur einen Kaffee bestellt hat, stundenlang
an seinem Tisch sitzen bleibt und die vorhandenen Zeitungen studiert.
Zum Kaffee serviert der Kellner das obligatorische Glas mit frischem,
kalten Leitungswasser, das zum Kaffee oder danach getrunken wird.
In manchen Kaffeehäusern bringt der Kellner bei längerem
Aufenthalt auch unaufgefordert Wasser nach.
Die Einrichtung des typischen Wiener Kaffeehauses reicht von gemütlich-plüschig
bis hin zu kühl-stilvoll. Als klassisch gelten Thonet-Sessel
und Kaffeehaustische mit Marmorplatten. Eines der am besten erhaltenen
Kaffeehäuser ist das Cafe Sperl, das über eine
unverfälschte, aber stark restaurierte Einrichtung verfügt.
Das Cafe Central im Palais Ferstel ist in einer monumentalen
Neorenaissance-Halle untergebracht, das Cafe Prückel
hingegen besitzt eine originalgetreu erhaltene Einrichtung aus den
1950er Jahren. Oft gibt es vor dem Lokal den so genannten Schanigarten,
wo man im Freien bei Kaffee die vorbeigehenden Leute beobachten
kann.
Im Kaffeehaus werden meist kleine Speisen wie Würstel und
Mehlspeisen, Kuchen, Torten oder die berühmten Buchteln im
Cafe Hawelka geboten. Einige Kaffeehäuser bieten allerdings
auch eine volle Auswahl an Gerichten der Wiener und internationalen
Küche an.
In vielen klassischen Wiener Kaffeehäusern (z.B. Cafe Diglas,
Cafe Central, Cafe Prückel) wird abends, ab 18
oder 19 Uhr, an bestimmten Tagen der Woche Klaviermusik gespielt
- ab und zu auch untermalt mit speziellen Themenprogrammen und anderen
Darbietungen wie z.B. literarischen Lesungen.
Die Betreiber von Kaffeehäusern sind die so genannten Kaffeesieder.
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| Geschichte
Die Legende besagt, dass die Wiener während der Befreiung
von der 2. Türkenbelagerung im Jahre 1683 einige Säcke
mit seltsamen Bohnen fanden, die sie zunächst für Kamelfutter
hielten und verbrennen wollten. Ein Dolmetscher namens Georg Franz
Kolschitzky habe die Säcke statt dessen an sich genommen und
das erste Kaffeehaus gegründet.
Tatsächlich stammt das erste Wiener Kaffeehaus etwa aus dieser
Zeit und wurde aber 1685 von einem Griechen namens Johannes Theodat
gegründet.
Das neue Getränk fand bei der Wiener Bevölkerung großen
Anklang, sodass die Zahl der Kaffeehäuser rapide anstieg. In
der Frühzeit der Kaffeehäuser trugen die Kaffeevarianten
keine Namen. Statt eine Melange oder einen Verlängerten
zu bestellen, reichte der Kellner eine Farbpalette, auf der die
Stärke des Kaffee in Farbabstufungen von Schwarz bis milchig-weiß
symbolisiert war. Der Gast wählte, in dem er auf die gewünschte
Farbe zeigte.
Seine Blütezeit erlebte das Wiener Kaffeehaus Ende des 19.
bis Anfang des 20. Jahrhunderts, als so genannte Kaffeehausliteraten
wie Peter Altenberg, Alfred Polgar, Karl Kraus, Hermann Broch und
Friedrich Torberg ihre Stammcafes zur bevorzugten Lebens- und Arbeitsstätte
machten. Viele bekannte Künstler, Wissenschaftler, Techniker
und Politiker der Zeit wie Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Egon
Schiele, Gustav Klimt, Adolf Loos, Theodor Herzl, Siegfried Marcus
oder auch Leo Trotzki waren häufige Gäste im Kaffeehaus.
Auch in Prag, Budapest, Lemberg und anderen Großstädten
Österreich-Ungarns gab es viele Kaffeehäuser nach Wiener
Vorbild, die z. T. heute noch bestehen.
Ab 1950 begann das "Kaffeehaussterben", als einige berühmte
Wiener Kaffeehäuser schließen mussten, verursacht durch
veränderte Freizeitgewohnheiten (z. B. der wachsenden Beliebtheit
des Fernsehens) und das Aufkommen "moderner" Espresso-Bars. Trotzdem
gibt es auch heute noch etliche dieser typischen Wiener Lokale,
die sich ihren ursprünglichen Charme bewahrt haben, zumal seit
den 1990er Jahren allgemein ein neues Interesse an der Kaffeehaus-Tradition
zu beobachten ist.
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Klassische Kaffee-Zubereitungsarten
Kleiner und großer Schwarzer oder Mokka
Schwarzer oder Mokka nennt man in Wien schwarzen
Kaffee, der wie ein Espresso mit heißem Wasser unter Druck
extrahiert wird. Die Kaffehäuser bieten ihn als kleinen
Schwarzen oder in doppelter Menge als großen Schwarzen
an.
Die Kaffeeportion (in Österreich per Gesetz mindestens 7,5
g) wird in einer Espressomaschine mit ca. 220-250 ml Wasser je nach
Einstellung bis zu 60 Sekunden lang extrahiert. Das Ergebnis ist
ein dünner und bitter schmeckender Kaffee. Durch die lange
Extraktionszeit lösen sich auch die schädlichen Gerbstoffe
aus dem Kaffee, die in einem kurz zubereiteten Espresso nicht enthalten
sind.
Kleiner und großer Brauner
Kleiner Brauner ist die Bezeichnung für einen kleinen
Schwarzern, der zusätzlich mit Obers serviert wird. Der Obers,
um aus dem kleinen Schwarzen einen kleinen Braunen zu
machen, sollte traditionell in einem winzigen Porzellankännchen,
das an einen etwas größeren Fingerhut erinnert, extra am
Tablett serviert werden, damit der Gast selbst das Mischungsverhältnis
bestimmen kann.
Ein großer Brauner ist die doppelte Menge.
Schale Gold
Eine Schale Gold ähnelt dem Braunen, sie
wird jedoch mit ein wenig mehr Obers zu goldbrauner Farbe komponiert
und ist damit heller als der Braune.
Verlängerter
Ein Verlängerter ist ein kleiner Brauner mit Wasser
verdünnt.
Melange
Eine Melange ist ein Verlängerter mit heißer
Milch zu gleichen Teilen, meist mit Milchschaum.
Franziskaner
Der Franziskaner ist eine Melange mit Schlagobers statt
der Milchschaumhaube.
Kaffee verkehrt oder Milchkaffee
Der Kaffee verkehrt bzw. der Milchkaffee (wobei
das "il" wie "üh" gesprochen wird:) besteht aus viel Milch
mit wenig Kaffee. Serviert wird eine große Schale aufgeschäumte
Milch mit einem kleinen Kännchen Mokka zusammen mit
Zucker und einem Glas Wasser auf einem Silbertablett.
Wiener Eiskaffee
Der Wiener Eiskaffee ist ein eisgekühlter flüssiger
Kaffee mit einer oder mehreren Kugeln Vanille-Eis, oft mit Schlagobers
garniert.
Einspänner
Der Einspänner ist ein großer Schwarzer
im Glas mit sehr viel Schlagobers, serviert mit einem extra Staubzucker-Streuer
am Tablett.
Kapuziner
Der Kapuziner ist ein kleiner Mokka mit wenigen Tropfen
Schlagobers, sodass der Kaffee die Farbe einer Kapuzinerkutte annimmt.
Jedoch bieten nicht alle Kaffeehäuser diese Vielfalt an und
auch die Wienerinnen und Wiener haben ihre Lieblingsvarianten. Die
gängisten Bestellungen sind der Verlängerte, der
Mokka, der kleine oder groäe Braune und
die Melange. Die italienischen Verwandten des kleinen Schwarzen
und der Melange, Espresso, Cappuccino und Cafe
Latte (mit reichlich Milch), aber auch der Irish Coffee
oder der norddeutsche Pharisäer haben sich mittlerweile
im Angebot eines Kaffeehauses eingebürgert.
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| Spezielle Zubereitungsarten
Seltener auf der Karte findet man u.a. den Fiaker (ein Glas
Mokka mit Rum, heiß serviert), den Kaffee Maria Theresia
(ein doppelter Mokka im Stielglas mit einem Schuss Orangenlikör),
den Obermayer (ein doppelter Mokka auf den man sehr kalten
Schlagobers mithilfe eines umgedrehten Kaffeelöffels aufsetzt),
die Kaisermelange (Melange mit Eidotter und Cognac), den
Mazzagran (ein doppelter Mokka, der abgekühlt und mit
einem Eiswürfel serviert wird) oder den Verkehrten Neumann
(benannt nach seinem Erfinder; ein großer Brauner, dem zuerst
die Milch, dann erst der Kaffee überbrüht wird).
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| Bekannte Wiener Kaffeehäuser
In Wien gibt es über 1100 Cafes aller Art, fast 1000 Espresso-Bars
und über 200 Cafe-Konditoreien. Die bekanntesten Kaffeehäuser
sind:
Im 1. Bezirk (Innere Stadt)
- Bräunerhof, Stallburggasse 2 - Thomas Bernhards
Stammcafein Wien
- Cafe Central, im Ferstel Palais, Eingang Herrengasse
14 (Ecke Strauchgasse) - Peter Altenbergs Stammcafe und zeitweise
auch feste Adresse
- Cafe Demel, Kohlmarkt 14 - die berühmteste Konditorei
Wiens, weniger ein typisches Kaffeehaus
- Cafe Diglas, Wollzeile 10
- Cafe Griensteidl, Michaelerplatz 2 - 1990 neu eröffnet
am Ort des traditionsreichen Cafe Griensteidl (1847-1897)
- Cafe Hawelka, Dorotheergasse 6
- Cafe Korb, Brandstätte 9
- Cafe Landtmann, Dr.-Karl-Lueger-Ring 4
- Cafe Mozart, Albertinaplatz 2 (Albertina)
- Cafe Museum, Operngasse 7
- Cafe Prückel, Stubenring 24 (Ecke Dr. Karl-Lueger-Platz,
gegenüber Museum für angewandte Kunst)
- Cafe Sacher, Philharmonikerstraße 4
- Cafe Schottenring, Schottenring 19
- Cafe Schwarzenberg, Kärntner Ring 17 (Schwarzenbergplatz
- innere Ringseite)
- Cafe Tirolerhof, Fährichgasse 8
In anderen Bezirken
- Cafe Dommayer, 13. Bezirk, Dommayergasse 1-3/Johann-Strauß-Platz
- Cafe Eiles, 8. Bezirk, Josefstä¤dter Straße
2
- Cafe Florianihof, 8. Bezirk, Florianigasse 45
- Cafe Gloria, 6. Bezirk, Otto-Bauergasse 26
- Cafe Hummel, 8. Bezirk, Josefstädter Straße
66
- Cafe Reimann, 12. Bezirk, Schönbrunner Straße
285
- Cafe Ritter, 6. Bezirk, Mariahilferstraße 73, Ecke
Ammerlingstraße
- Cafe Sperl, 6. Bezirk, Gumpendorfer Straße 11
- Cafe Weidinger, 16. Bezirk, Lerchenfelder Gürtel
1
- Cafe Weimar, 9. Bezirk, Währinger Straße 68, in
der Nähe der Wiener Volksoper
- Cafe Wilder Mann, 18. Bezirk, Währinger Straße
85
- Cafe Westend, 7. Bezirk, Mariahilferstraße 128
(gegenüber Westbahnhof)
- Cafe Falk, 22. Bezirk, Wagramer Straße 137
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Literatur
Führer und Kochbücher
- Thomas Martinek: Kaffeehäuser in Wien. Ein Führer
durch die Wiener Kaffeehäuser. 3. A. Falter, Wien 1996
ISBN 3-85439-168-4
- Rick Rodgers: Das Kaffeehaus. 120 klassische Rezepte und
Geschichten aus Wien, Budapest und Prag. Christian-Verlag,
München 2003 ISBN 3-88472-572-6 (Kochbuch mit vielen Fotos)
- Wolfram Siebeck: Die Kaffeehäuser von Wien. Eine Melange
aus Mythos und Schmäh. Heyne, München 1996 ISBN
3-453-11530-9 / Edition Wien, Wien 1996 ISBN 3-85058-125-X (versucht
Atmosphäre, Qualität und Zeitungsangebot zu bewerten,
mit vielen Fotos)
- Hans Veigl: Wiener Kaffeehausführer. 2. A. Kremayr
und Scheriau, Wien 1994 ISBN 3-218-00587-6
Geschichte und Kaffeehausliteratur
- Eichinger, Georg/Sawatzki, Dieter/Zey, Rene (Hrsg.): "Im Cafe.
Vom Wiener Charme zum Münchner Neon". Edition Harenberg,
Dortmund 1991, 3. Auflage, ISBN 3-88379-521-6
- Kurt-Jürgen Heering (Hrsg.): Das Wiener Kaffeehaus.
Insel, Frankfurt am Main 2002 ISBN 3-458-33018-6
- Franz Hubmann: CafeHawelka - ein Wiener Mythos. Literaten,
Künstler und Lebenskünstler im Kaffeehaus. Brandstätter,
Wien 2001 ISBN 3-85498-111-2
- Michael Rössner (Hrsg.): Literarische Kaffeehäuser,
Kaffeehausliteraten. Böhlau, Wien u. a. ISBN 3-205-98630-X
- Helfried Seemann/Christian Lunzer: Kaffeehaus-Album. 1860-1930.
Die Wiener Kaffeehäuser in zeitgenössischen Photographien.
Album, Wien 1993 ISBN 3-85164-026-8
- Hans Veigl (Hrsg.): Lokale Legenden. Wiener Kaffeehausliteratur.
Kremayr und Scheriau, Wien 1991 ISBN 3-218-00530-2 / Hanser, München
1991 ISBN 3-446-16429-4
- Bartel F. Sinhuber: "Die Wiener Kaffeehausliteraten". J&V
Edition Wien Dachs Verlag Ges.m.b.H. , Wien 1993 ISBN 3-85058-091-1
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